Auf dem Bild ist Irmgard Schwiderski zu sehen.

Weshalb IRMGARD?

Die Frau hinter der App

Die Idee, eine App für die Alphabetisierung speziell für Erwachsene zu entwickeln hatten Irmgard Schwiderski und Stefanie Trzecinski gemeinsam.

Stefanie Trzecinski ist Sonderpädagogin, war einige Jahre als IT-Managerin tätig und gründete 2010 das gemeinnützige Unternehmen KOPF, HAND und FUSS – dessen Projekte sich rund um das Thema Inklusion drehen.

Irmgard Schwiderski war 43 Jahre Lehrerin und 30 Jahre Schulleiterin einer Hamburger Grundschule. Im Lerncafé Karolinenviertel unterrichtet die pensionierte Pädagogin nun ehrenamtlich Hamburger Erwachsene im Lesen und Schreiben. Sie unterstützt ihre Lernenden mittels individuell zugeschnittener Aufgaben z.B. dabei, ihren Hauptschulabschluss zu machen.

Beide stellten gemeinsam fest, wie wichtig es doch wäre, ein Lerntool für gering literalisierte Erwachsene zu entwickeln, das schamfrei nutzbar und leicht in den Alltag integrierbar ist: Eine Alphabetisierungs – App für Erwachsene, die es damals noch nicht gab.
Daraufhin wurden Spender und Sponsoren gesucht, Stefanie Trzecinski stellte die benötigten technischen Ressourcen von Kopf, Hand und Fuss zur Verfügung und Irmgard Schwiderski erarbeitete und testete die Inhalte zusammen mit den Lernenden in ihrem Lerncafé. Die damals erste Alphabetisierungs-App speziell für Erwachsene entstand.

Irmgard führt durch die von ihr konzipierten ersten 9 Level der App, motiviert zum Dranbleiben und tritt im Anschluss sogar in einen Briefwechsel mit jedem Lernenden, der dies wünscht. Sie hat der App – die inzwischen auch um Inhalte anderer Einrichtungen erweitert wird – ihren Namen gegeben.

 

Lernen wir Irmgards Beweggründe etwas besser kennen:

Drei Fragen an Irmgard Schwiderski

01 – Eine App für Erwachsene ohne oder mit geringer Lese- und Schreibkompetenz – warum?
Bei meiner Arbeit mit den Lernenden habe ich festgestellt, dass sie ein-, höchstens zweimal die Woche ins Lerncafé kommen und sich mit dem Lesen und Schreiben auseinandersetzen. Den Rest der Woche über tun sie das nicht, da sie keine Hausaufgaben auf bekommen. Das ist einfach zu wenig. Sie vergessen das Erlernte wieder, so dass sie beim nächsten Mal wieder von vorne anfangen müssen. Je älter wir werden, desto wichtiger ist die ständige Wiederholung.

Eine App ist da sehr hilfreich, weil sie auch für kurze Zeitfenster genutzt werden kann – auch wenn es täglich nur fünf Minuten sind.

02 – Warum gab es noch keine App für Menschen mit geringer Literalität?
Zum einen ist die Finanzierung solch einer App nicht einfach – das haben Stefanie Trzecinski und ich bei unserer Suche nach Spendern und Sponsoren für IRMGARD gemerkt. Zum anderen gibt es noch immer viele Vorurteile gegenüber diesen Menschen – „selbst schuld“, „faul“ oder „zu doof“ sind weit verbreitete Meinungen.

Dass es für Analphabetismus viele unterschiedliche Ursachen gibt wie Krankheit, eine Beeinträchtigung oder Behinderung wird nicht in Betracht gezogen. Auch kann es an finanziellen Engpässen liegen. Die kostenfreie Verfügbarkeit von IRMGARD – das ist uns wichtig!

03 – Was wünschen Sie sich für den Umgang mit Menschen mit geringer Lese- und Schreibkompetenz?
Offenheit, weniger Vorurteile und ein Entgegenkommen durch die Gesellschaft. Niemand sollte sich dafür schämen müssen, während seiner oder ihrer Kindheit nicht Lesen und Schreiben gelernt zu haben.

Wer hat die App gemacht? Das erzählen wir Ihnen jetzt.

Irmgard Schwiderski und Stefanie Trzecinski haben zusammen eine Idee gehabt.
Sie haben gedacht:
Es gibt immer noch so viele Erwachsene, die nicht lesen und schreiben können.
Für diese Erwachsenen soll es eine App geben.
Also haben beiden Frauen das gemeinsam gemacht.
Wer aber sind die beiden?

Stefanie Trzecinski ist Sonder-Pädagogin.
Sie hat auch als IT-Managerin gearbeitet. Das heißt: Sie hat die Computer in einer Firma geregelt.
Und dann hat sie ihre eigene Firma gegründet.
Die Firma heißt: KOPF, HAND und FUSS.
Die Projekte von der Firma gehen um Inklusion.

Irmgard Schwiderski war 43 Jahre Lehrerin.
Und 30 Jahre Schul-Leiterin. Das heißt: Sie war die Chefin von einer Schule.
Jetzt ist sie in Rente.
Sie unterrichtet aber trotzdem noch im Lerncafé in Hamburg.
Sie hilft den Menschen dabei:

  • besser lesen und besser schreiben zu lernen.
  • ihren Haupt-Schul-Abschluss zu machen.

Die Beiden wollten also eine App machen.
Dafür haben sie Geld gesammelt.
Stefanie Trzecinski hat die Technik für die App gemacht.
Irmgard Schwiderski hat mit den Menschen in ihrem Lerncafé die Aufgaben getestet.
Beide haben dann die erste App zum Lesen und Schreiben für Erwachsene gemacht.

Irmgard hat die ersten 9 Lern-Level gemacht.
Das sind alle Grundlagen fürs Lesen und Schreiben.
Irmgard führt persönlich durch die Lern-Inhalte.
Sie will, dass die Menschen Spaß haben und gerne mit der App lernen.
Wer möchte kann ihr zum Schluss einen Brief schreiben
und Irmgard schreibt zurück.
Deshalb hat die App ihren Namen: Irmgard.

3 Fragen an Irmgard:

01 – Warum braucht es eine App zum Lesen und Schreiben lernen für Erwachsene?
Ich arbeite ja mit Erwachsenen, die Lesen und Schreiben lernen im Lerncafé.
Ich habe gemerkt:
Die Lernenden kommen nur einmal in der Woche.
Sie lesen und schreiben nur einmal in der Woche.
Den Rest der Woche machen sie nichts.
Sie bekommen keine Hausaufgaben.
Das ist zu wenig.
Sie vergessen das Erlernte wieder.
Dann müssen sie von vorne anfangen.
Je älter man ist,
desto öfter muss man etwas wiederholen
bis man es kann.
Mit einer App geht das.

02 – Warum gab es noch keine solche App?
Zum einen kostet es viel Geld, eine App zu machen.
Stefanie Trzecinski und ich haben nach Spendern und Sponsoren gesucht.
Wir haben gemerkt:
Das ist schwierig.
Zum anderen gibt es noch immer viele Vor-Urteile gegenüber Menschen
die nicht gut lesen und schreiben können.
Sie sollen selbst schuld sein.
Oder zu faul.
Oder zu doof.
Dabei gibt es dafür viele verschiedene Gründe. 
Zum Beispiel:

  • Sie waren als Kind oft krank oder mussten viel in der Familie helfen
    und konnten deshalb nicht so gut in der Schule lernen
  • Sie haben eine Behinderung oder können an sich nicht gut lernen
    und brauchen deshalb extra viel Hilfe.
    Das wurde aber als sie ein Kind waren nicht erkannt.
  • Ihre Eltern haben selbst nicht viel gelesen oder konnten nicht gut lesen
    und konnten deshalb nicht helfen.
  • Sie hatten nur sehr wenig Geld
    und konnten keine schönen Bücher oder Lernhilfen bezahlen.

Uns ist deshalb wichtig, dass die App kostenlos ist.
So dass jeder lernen kann.

03 – Wie soll man mit Menschen umgehen, die nicht gut Lesen und Schreiben können?
Man soll offen sein.
Weniger Vor-Urteile haben.
Sich um diese Menschen kümmern.
Niemand soll sich dafür schämen müssen
in der Kindheit nicht Lesen und Schreiben gelernt zu haben.